Meilenstein für Notfunk, SOTA, POTA etc. - EcoWave Labs meldet bis zu 25 % geringeren Energiebedarf

Die Idee, elektromagnetische Strahlung nicht nur zu nutzen, sondern auch energetisch teilweise zurückzuführen, ist nicht neu. Bereits vor einigen Jahren sorgte ein viel diskutiertes Projekt aus der Unterhaltungselektronik für Aufmerksamkeit: Ein Entwickler aus Simbabwe hatte Konzepte vorgestellt, bei denen Geräte einen Teil ihrer eigenen Emissionen wieder nutzbar machen sollten – ein Thema, das unter anderem auch in der Berichterstattung der Tagesschau aufgegriffen wurde.

Mit dem Transceiver RF-GEN1 greift das junge Technologieunternehmen EcoWave Labs diesen Ansatz nun auf und überträgt ihn erstmals gezielt auf den Amateurfunk.

Rückführung statt Erzeugung

EcoWave Labs vermeidet bewusst den Begriff der Energieerzeugung. Stattdessen spricht man von einer energetischen Rückführung hochfrequenter Verluste, die im klassischen Funkbetrieb bislang ungenutzt bleiben.

Kern des Konzepts ist ein integrierter HF-Rekuperator (RF Energy Recovery Unit), der diese Energieanteile band- und betriebsartenabhängig erfasst und nutzbar macht.

EcoLabs Vorstand Dr. Max Wattmann erklärt:

„Wir erzeugen keine Energie aus dem Nichts. Wir reduzieren lediglich den Bedarf an externer Versorgung, indem wir vorhandene HF-Anteile effizienter nutzen.“

Messwerte aus Praxis und Feldversuchen

In internen Messreihen und Feldtests wurden laut EcoWave Labs folgende Effekte beobachtet:

  • 5–12 % geringerer externer Energiebedarf im regulären Funkbetrieb
  • 10–18 % bei längerem Betrieb mit hoher Modulationsdichte
  • Kurzzeitig bis zu 25 % unter besonders günstigen Bedingungen

Als begünstigende Faktoren nennt der Hersteller unter anderem:

  • hohe Bandbelegung
  • kontinuierliche Betriebsarten (FM, digitale Dauerträger)
  • eine aktive Funkumgebung mit mehreren gleichzeitig arbeitenden Stationen

Die Maximalwerte seien nicht dauerhaft reproduzierbar und stark von Band, Betriebsart und Umgebung abhängig.

Besonderheit: Empfangsbetrieb mit positiver Energiebilanz

Besonders bemerkenswert sind die Angaben zum reinen Empfangsbetrieb.
In HF-reichen Umgebungen – etwa während intensiver Contestphasen oder in stark frequentierten Funkgebieten – konnte der externe Energiebedarf des Empfängers laut EcoWave Labs vollständig kompensiert werden.

In einzelnen Messreihen habe der RF-GEN1 im RX-Betrieb sogar eine leicht positive Energiebilanz aufgewiesen.
Der Hersteller betont jedoch ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um einen vorgesehenen Ladebetrieb handelt, sondern um einen umgebungsabhängigen Effekt.

Praxiseindruck aus dem Contesteinsatz

Erste Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz liegen bereits aus internen Tests unter contestähnlichen Bedingungen vor. Dabei wurde der RF-GEN1 in einer Umgebung mit hoher Bandbelegung und kontinuierlichem Funkbetrieb über mehrere Stunden betrieben.

„Gerade in den Spitzenzeiten mit vielen gleichzeitigen Signalen im Band scheint der HF-Rekuperator besonders effektiv zu arbeiten. Wir konnten feststellen, dass die Stromaufnahme über längere Phasen spürbar niedriger lag als bei vergleichbaren Geräten.“

(Klaus, DL1APR, am Test beteiligter Operator)

Nach Angaben von EcoWave Labs profitieren insbesondere Betriebsarten mit hoher Aktivität und konstanter Modulation von diesem Effekt. Die Vielzahl gleichzeitig aktiver Stationen führe zu einer erhöhten HF-Dichte, die der HF-Rekuperator gezielt nutze.

Der Hersteller weist jedoch darauf hin, dass es sich hierbei um beobachtete Praxiseffekte handelt, die stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängen und nicht in jeder Betriebssituation in gleicher Weise auftreten.

Vorteile im Contest- und Portabelbetrieb

Gerade im Contestbetrieb zeige der RF-GEN1 laut Hersteller sein größtes Potenzial. Die hohe Signaldichte und die gegenseitige HF-Einwirkung mehrerer Stationen führten zu besonders günstigen Rückführungsbedingungen.

Im Portabelbetrieb äußere sich dies vor allem durch:

  • verlängerte Akkulaufzeiten
  • geringere Belastung externer Stromquellen
  • Unterstützung kleiner Verbraucher über den integrierten USB-Anschluss (z. B. Logbeleuchtung oder Erhaltungsbetrieb eines Smartphones)

Ein vollständiger Ersatz von Netzteil oder Akku sei damit jedoch ausdrücklich (noch) nicht verbunden.

EcoWaveLabs RF1

"Dennoch sollen die ersten Geräte mit einem "0-Watt-Netzteil" ausgeliefert werden. Eine geniale Werbemaßnahme!"
(Dipl. Ing. Erik Ruckstrøm, Marketingleiter)

Einordnung und Ausblick

In Fachkreisen wird der Ansatz als interessante Weiterentwicklung bestehender Effizienzkonzepte diskutiert. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die erreichbaren Effekte naturgemäß begrenzt und stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängig sind.

EcoWave Labs versteht den RF-GEN1 daher als ersten Schritt.

EcoWaveLabs Roadmap

Perspektivisch werde an Konzepten gearbeitet, bei denen sich Empfangs- und Sendephasen gezielt energetisch ergänzen, um insbesondere im QRP-Bereich zeitweise einen weitgehend autarken Betrieb zu ermöglichen.

Verfügbarkeit

Der RF-GEN1 befindet sich derzeit im Prototypenstadium. Angaben zu einer möglichen Markteinführung machte EcoWave Labs bislang nicht. Das Konzept soll der Öffentlichkeit bei der kommenden Hamradio vorgestellt werden.